Niedersächsisches Literaturstipendium für Jess Tartas und ihre Erzählung »Shirley im Dezember«

Liebe*r Leser*in,
ich bin gerade sehr glücklich. Hier ist, weshalb:

Niedersachsens Kulturminister Falko Mohrs zeichnet sechs Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit den niedersächsischen Literaturstipendien 2024 aus. Die Auswahl erfolgte auf Empfehlung der Niedersächsischen Literaturkommission. „Mit den Literaturstipendien zeichnen wir Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus, die in ihrer Biographie oder in ihren Texten einen Bezug zu Niedersachsen haben. Sie tragen mit ihrer Kreativität und ihren literarischen Werken zur Vielfalt unserer Kulturlandschaft bei“, so Niedersachsens Kulturminister Falko Mohrs. „Die ausgezeichneten Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben durch hohe inhaltliche und sprachliche Qualität überzeugt. Mit unseren Stipendien unterstützen wir sie dabei, ihre literarischen Projekte weiterzuentwickeln und umzusetzen.“

Jess Tartas (*1987) aus Lüneburg erhält ein Arbeitsstipendium für ihre Erzählung „Shirley im Dezember“. „Lakonisch, gewitzt und sehr geheimnisvoll erzählt Jess Tartas vom tiefen Abgrund, in den das Unerklärliche uns stürzt. Ein Kind verschwindet immer im Dezember – und taucht nach Ablauf des Monats wieder auf, als wäre nichts gewesen. Wird das Mädchen ein Geist? Oder einfach nicht gesehen von ihrer Umgebung? Wir dürfen rätseln und staunen“, so die Literaturkommission.

Quelle: Niedersächsisches Kulturministerium

Ich werde nicht nur eine finanzielle Förderung erhalten, sondern habe auch die Möglichkeit, für eine Weile in einem Atelier in der Heide zu residieren. Ich werde ungestört schreiben und hoffentlich mein Buch beenden können.

Die, die Gewalt und Poesie gelesen haben, kennen wohl meine Geschichte rund um Frau Glas. Jenes Manuskript ist es, das einst zu düster war und nicht passend für den Markt sei. Nun.

Portrait einer Frau mit dunklem lockigen Haar vor dunklem Hintergrund, sie blickt offen in die Kamera und trägt ein schwarzes Kleid aus Samt und Spitze. Text: Niedersächsisches Literaturstipendium für Jess Tartas und ihre Erzählung Shirley im Dezember.

Mich hat der Gedanke an Shirley nie losgelassen. Also schrieb ich weiter. Es hat sich so gelohnt, daran zu glauben. Hier noch ein Auszug für euch aus meinem Tagebuch aus dem Von Februar bis Februar-Projekt, in dem ich vom Stipendium berichte:

Ich erhalte eine Förderung für den Roman, an dem ich schreibe. Es ist ein Arbeitsstipendium für Schriftsteller*innen, das mir dabei helfen soll, an meinem Projekt zu arbeiten. Ich kann kaum in Worte fassen, wie viel es mir bedeutet, aber ich will es versuchen.
 In einem Gespräch mit dir sagte ich, ich würde Rückmeldungen für mein Schreiben brauchen. Du fragtest, warum es so sei. Darüber dachte ich lange nach. Nun weiß ich es ganz sicher. Rückmeldungen sagen mir, dass ich richtig bin und dass meine Ideen einen Wert haben. Es ist nicht so, dass ich es vergessen würde oder selbst nicht davon überzeugt wäre, aber ich bin ein Mensch und Menschen sind soziale Wesen. Hin und wieder brauche ich ein „Okay, weitermachen“ von denen, die mich umgeben. 
In dieser Zeit glaubt also das Land Niedersachsen an mich und meine Arbeit.
Ich schreibe seit drei Jahren an diesem Roman, der zunächst eine Kurzgeschichte war. Hier war es Till Raether, der mir sagte, ich solle daraus einen kurzen Roman machen, und mir damit signalisierte: An der Geschichte ist was dran. Mich hat dann der Gedanke an die Hauptfigur nicht losgelassen; immer wieder fragte ich mich, was sie nun wohl täte. Also begann ich, sie herbeizuschreiben.
Wieder eine andere Person, ich erwähnte sie bereits in einem früheren Eintrag, hatte sich mit ihrer Meinung eingeklinkt. Und weil es eine Person in Entscheiderposition war, glaubte ich ihr. Das war ein Fehler und es dauerte lange, bis ich erkannte, dass mein Roman im Kern nur aus mir und meiner Idee allein bestehen darf. Und zwar so lange, bis ich sie beendet habe und jemandem vorzeigen kann. Nun habe ich einer Jury einen Teil meines überarbeiteten Manuskripts gesendet und zwischen all den Bewerbungen wurde meine Arbeit ausgewählt. Ich bin dankbar und alles andere als überspitzt cool oder angestrengt lässig, ich tue nicht so, als wäre das nichts Besonderes. Denn es ist der absolute Hammer und ich werde dieses Buch beenden. Für mich. Und nun natürlich auch für Niedersachsen. Danke.

xoxo
Eure Jess

Tanzend

Dieser Artikel ist zuerst in den Gespensterbriefen erschienen: Gespensterbrief #22

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