Im Gespräch mit… dem Poeten Marcus Pöttler

Ich habe das große Glück, an dieser Stelle auf unbestimmte Zeit Gespräche veröffentlichen zu können, die ich schriftlich mit Menschen geführt habe, die ich für ihre Arbeit bewundere. Mit einigen von ihnen bin ich befreundet, mit manchen kollegial verbunden. Eines ist aber immer sicher: ich schätze sie für ihre Arbeit und danke ihnen für die Inspiration, die sie für mich und viele andere sind.
Heute bin ich im Gespräch mit dem Autor Marcus Pöttler. Ich lernte seine Arbeiten durch meine Schreibfreundin Julia Knaß kennen und konnte schnell nachvollziehen, weshalb sie ihn so gerne liest. Los gehts!

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Der Satz, der meine Arbeit zurzeit am besten beschreibt, könnte lauten…

Mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen, Notizbücher mit Textfragmenten füllen und auf den entscheidenden kreativen Impuls warten.

Die Motivation für meine Arbeit erhalte ich mir, indem…

ich weiterschreibe. Das Schreiben ist notwendig für meinen inneren Ausgleich. Es entstehen laufend Sprachbilder ohne mein Zutun im Kopf, da schwirrt dann oft viel herum. Durch das Aufschreiben lagere ich diese Dinge aus, damit ich sie nicht länger mit mir herumtrage. Das war schon in meiner Jugend so, lange bevor ich meine ersten Gedichte veröffentlicht habe, damals habe ich viele Briefe geschrieben und dieses Material dort eingearbeitet.

Das Beste, was mir zuletzt mit meiner Arbeit passiert ist…

Die vielen wundervollen Rückmeldungen zu meinem kürzlich erschienen Gedichtband „Echos“. Das Buch habe ich für meine Frau Irene geschrieben, die Gedichte darin handeln von der Liebe und sind alle an meine Frau gerichtet. Es ist sehr schön, zu erleben, wie diese doch sehr persönlichen Gedichte nun auch andere Menschen erreichen und berühren.

Echos von Marcus Pöttler ist kürzlich im Limbus Verlag erschienen.

Wer inspiriert dich aktuell besonders?

Momentan bin ich (wieder einmal) auf Entdeckungsreise durch das Werk von Friederike Mayröcker. Ihre Gedichte und Prosaarbeiten begleiten und inspirieren mich schon seit vielen Jahren. Zu ihren Texten kehre ich immer wieder zurück, in ihrer außergewöhnlichen poetischen Sprache kann ich mich wunderbar verlieren und treiben lassen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus, wenn du an deinen Texten arbeitest?

Ich arbeite hauptsächlich an den Abenden und in die Nacht hinein. Man könnte sagen, es ist durch Beruf und Familie bedingt, die Wahrheit ist jedoch: ich bin eine Schreibe-Eule, war ich immer schon. In den späten Stunden gelingt es mir am besten mich zu konzentrieren, meistens höre ich Musik dabei (derzeit am liebsten die Post-Rock Band „Mogwai“). Das eigentliche Schreiben der Gedichte beginnt bei mir mit der Sichtung meiner Notizen. Oft habe ich mir bereits ein Thema vorgegeben und entwickle dann aus den Fragmenten einen Zyklus von Gedichten dazu. Mit den ersten Versionen meiner Gedichte bin ich selten zufrieden. Ich bin sehr pingelig mit einzelnen Worten und überarbeite meine Texte deshalb relativ oft. Dazwischen recherchiere ich viel zum Thema und zu verschiedenen Wortbedeutungen. Meine Gedichte sind eher reduziert und geprägt von Metaphern – mir ist wichtig, dass es darin kein zufälliges oder bedeutungsloses Wort gibt. Das alles ist ein eher langwieriger Prozess und am Ende solcher Schreib-Abende habe ich mit Glück vielleicht ein Gedicht fertig gestellt.

Der Autor Marcus Pöttler. Foto: privat.

Was würdest du mit deiner Kunst gerne noch erleben?

Dass Nick Cave Gedichte von mir vertont.

Wieso/weshalb/warum empfiehlst du jungen Leuten, es in deinem Metier als Autor:in zu versuchen?

Weil die Lyrik eine unglaublich vielfältige Ausdrucksform ist und es sehr befreiend sein kann, ein Gedicht zu schreiben. Ich schätze an der Lyrik auch die Bedeutungsoffenheit, das Spiel mit der Sprache und die Möglichkeit, mit wenigen Worten große Gedankenräume zu öffnen und intensive Gefühle zu vermitteln.

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Ich danke Marcus für das Gespräch und drücke ihm die Daumen, dass Nick Cave auf seine Gedichte aufmerksam wird! Mehr von ihm könnt ihr auf Twitter oder Instagram sehen.

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