Von Elefanten und Vampiren. Das neue Hörspiel von Elfie Donnelly

Ich erinnere mich genau daran – oder eben so genau, wie man sich an etwas erinnern kann, das 30 Jahre her ist – wie ich als Kind in meinem Zimmer stand, dabei wie so oft ein Hörspiel im Hintergrund lief und ich beschloss: Als Erwachsene möchte ich Hörspiele machen!
Wie genau das aussehen würde, wusste ich natürlich nicht. Nur, dass es unbedingt etwas mit den Figuren zu tun haben sollte, die ich so mochte. Benjamin Blümchen, Der kleine Vampir, Pitje Puck, Klavi Klack, Bibi Blocksberg waren meine Lieblinge.

Damals schon die Forscherin, die ich heute bin, interessierte mich eben nicht nur das Was, sondern auch das Wie, wenn es um Geschichten ging. Irgendwer musste schließlich die Geschichten, die ich so liebte, geschrieben und aufgenommen haben.

Neugierig studierte ich die Informationen auf den kleinen Zettelchen in den Hörspielkassetten. Autor*in, Sprecher*innen, Musik … all das interessiere mich brennend. Doch in den 1990ern war es mit der Recherche damit dann auch schon vorbei.

Mein Berufswunsch änderte sich in den folgenden Jahren im Kleinen und Großen immer mal wieder, doch drehte sich am Ende alles darum, genau das zu machen, was ich unterm Strich schon immer tun wollte: Irgendwas mit Kunst, irgendwas mit Menschen. Ich hatte das große Glück, bei einer kulturschaffenden Großmutter aufzuwachsen, bei der ich lernte, wie man selbstständig Kunst macht und sich aktiv mit anderen vernetzt, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Doch was meine Oma schrieb, waren keine Geschichten, sondern Musikstücke.

Wenn man nicht gerade in einer Autor*innen-Familie aufwächst (eine abenteuerliche Vorstellung), muss man sich seine Vorbilder suchen. Mein Kompass waren diejenigen, die bereits das taten, was ich tun wollte.

Eine Autorin, die mich während meines Aufwachsens immer wieder interessierte, war Elfie Donnelly: Die Erfinderin von Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen.

Sie wurde 1950 in London geboren und wuchs in England auf. Sie zog später nach Wien, dann nach Berlin. Dort lernte sie auch Peter Lustig kennen, der den meisten als der Erschaffer und Moderator der Kindersendung Löwenzahn bekannt ist, und heiratete ihn. Donnelly arbeitete als Journalistin und schrieb Hörspiele für das Radio. Und schließlich erfand sie die berühmten Figuren, der noch heute außerordentlich erfolgreichen Reihen rund um Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg. Aber nicht nur das: Donnelly schrieb auch Romane. Um die Hörspiele wurde es ruhiger, nachdem sie ihre Rechte an ihren Figuren verkaufte. Doch 2020 kam die Überraschung: Elfie Donnelly hatte ein neues Hörspiel geschrieben! Und darin ging es um Vampire! Könnte mich etwas noch glücklicher machen? Kaum.

Draculino – vampirzahnscharf und fledermausflügelig!

Donnellys neue Hörspielreihe trägt den Titel „Draculino“. Darin geht es um den 7-jährigen Luca, der in einem baufälligen Waisenhaus in Poggio, einem kleinen Ort in Italien, aufwächst und ein eher stiller Junge ist. Vermutlich deswegen wird er auch zur Zielscheibe von einem rüpelhaften Jungen, der Luca im fiesen Gerangel seiner Vorderzähne beraubt. Fortan lispelt Luca und sieht mit seinen spitzen Eckzähnchen aus wie ein kleiner Vampir. Grund genug für die heimlichen Bewohner des Waisenhauses – ein Vampir-Ehepaar, das es sich mit Särgen im Keller des Gebäudes gemütlich gemacht hat – ganz vernarrt in den armen Luca zu sein. Die Vampire Succhia und Lambiro wünschen sich so sehr ein Kind, dass sie sich Luca annehmen und ihn Draculino taufen.

Luca, der denkt, er träume, spielt nach einigem Zögern mit. Schließlich ist ein Leben mit Vampiren deutlich aufregender als das dröge Leben im Waisenhaus, findet er. Doch bald wird alles noch aufregender: Bürgermeister Ladroni droht, das Waisenhaus plattzumachen und stattdessen ein Casino auf den Baugrund zu stellen. Zusammen mit seinen vampirischen Zieh-Eltern und seiner Freundin Mila macht sich „Draculino“ zu einem Abenteuer auf, das Waisenhaus vor seinem Schicksal zu bewahren.

Elfie Donnelly hat eine Geschichte voller klassischem Witz und einer guten Portion Kampfgeist geschrieben, die Bekanntes pflegt und aktuelle Themen aufgreift. Flucht, Enteignung, Kapitalismus, Glaube, Religion, Trauer und Abschied sind einige Bereiche, die direkt, aber sensibel und kindgerecht angesprochen und erklärt werden. Das Thema Rechtsextremismus schwingt auch mit, und zwar in der Form der unbeliebten „Braun-Vampire“, die immer mal wieder auftauchen und nerven. Wenn die Kinder vielleicht noch zu jung sind, um manche Metapher zu verstehen, so gibt das Hörspiel Draculino einiges für Erwachsene her.

Ich habe mich beim Hören immer wieder mal dabei ertappt, wie ich dachte: Toll, wenn ich einmal auf eine Karriere zurückblicke, wie es Elfie Donnelly kann, dann möchte ich auch weiterhin den Schwung haben und Neues erfinden.

So ist diese Autorin meiner Kindheit nach wie vor ein künstlerischer Kompass für mich. Die Nadel zeigt an, wonach mir der Sinn steht. Bleibt nur noch die Frage: Wo liegt eigentlich Poggia?

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